Viele Videospieler sind empört, erzürnt und unzufrieden mit der derzeitigen Gesamtsituation – mal wieder. Der Grund dafür: Microsoft hat ihre Nextgen-Konsole vorgestellt – die Xbox One. Privatsphären-Mörder! Gebrauchtspielmarkt-Zerstörer! Weitaus schlimmer: Entertainment Box und keine „reine“ Spielkonsole mehr.
Microsoft hat’s nicht leicht, über die Jahre wurden zu viele Fehlentscheidungen gemacht und Versprechungen nicht eingehalten. Im Gegensatz dazu Apple als größter Konkurrent immer vorneweg – mehr Style, besseres OS und so weiter…
Dementsprechend ging bei der Namensfindung „The New XBox“ schon einmal nicht: Kopie. Xbox 720 – ganz ehrlich, wer möchte das. Xbox Infinity – nein danke.
Nun also XBox One. Die eine, sie zu knechten mit nicht wiederverwendbaren oder verleihbaren Spielen, Entertainment-Angebot von dem wir hier wohl wieder nur einen Bruchteil bekommen werden, Skyne.. ähh Skype Chats, Apps, und Fernsehen. Microsoft sind die Spieler wohl nicht mehr so wichtig, sondern eher die Familien, die Casualgamer, die Medienkonsumenten. Das stößt dem gemeinen Spieler und vielen Kritikern natürlich bitter auf. Das Lieblingshobby nicht mehr im Fokus. Der alte Microsoft-Fluch, cooles Produkt, tolle Features – trotzdem mag es erst einmal keiner. Die Erwartungen waren zu hoch. Auch schon bei der PS 4. Es werden nur noch revolutionäre Geräte gewürdigt. Ach nee stimmt nicht, denn Cloudbasierte Gesten- und Sprachsteuerung werden erst einmal verteufelt. Beim Spielen war die Kinect schon immer kacke. Word. Aber die anderen Möglichkeiten , die die Kinect bietet – unschlagbar. Eine Revolution im Medienkunstbereich, für Hacker und Generative Art-Künstler.
Aber die Xbox ist doch eine Spielkonsole, oder? Auf den ersten Blick ja, auf dem zweiten Blick hat sich die Xbox zumindest bei mir zum Multimedia-Gerät gewandelt. ZDF Mediathek, IGN und anderen Apps sei Dank. Will Microsoft uns mit der noch krasseren Ausrichtung hin zum Entertainment-Markt nicht mehr? Doch, aber sie wollen sich auch als Software und Plattformanbieter für die nächsten Jahre richtig positionieren und mit breitem Angebot aufstellen, die Zeiten reiner Spielkonsolen sind inzwischen längst vorbei. Ganz ehrlich, wenn ich mir irgendwann ein NFL-Abo auf die Xbox buchen kann… Oberhammer. Das Problem, viele der gestern gezeigten Dienste werden bei uns dummerweise wieder nicht erreichbar sein.
Services wie Steam, die sich gerade nur auf Spiele konzentrieren sind auf einer Plattform die den Rest (Arbeiten, Chat, Entertainment etc.) bereits beherrscht, oder Apple, die mit iPad und Co. absolute Konsolen Killer im Gepäck haben, denn der Gelegenheitsspieler braucht keine „High End Multimillionen“-Produktionen, sondern kleine Titel und eben greifbar anderes Entertainment wie Serien, Filme und Musik. Die direkten Konkurrenten Sony und Nintendo können sich nur durch ein besseres Spiele-, App- und Onlineangebot absetzen. Und hier hat Xbox mit Xbox Live bereits die Nase vorne. Punkt.
In Sachen Design und Technik in vielen Augen nicht. Der neue X-Kasten ist zu groß, erinnert mich an meinen alten Grundig Videorecorder, Klavierlack kann ich nicht ab, so geil ist die Grafik jetzt - schallt es aus den Social-Kanälen. Mehr Apple Design wäre schön gewesen. Sicherlich, das hat aber auch seinen Preis. Nicht nur finanziell, sondern auch auf Seiten der Technik. Oder wer möchte womöglich die nächsten fünf bis acht Jahre mit einer Laptop-Grafikkarte verbringen. Der jetzige Look passt zumindest zum Aussehen meines Sony Fernseher. Die Stimmen zu Design und Hardware sind vergleichsweise noch leise, wenn man sie mit der Empörung gegenüber der immer angeschlossenen Spionage-Kinect und der Account-Bindung für Spiele vergleicht. Letzteres wird von Steam schon seit Jahren betrieben. Und wenn es den ersten „Xbox Live Mega-Summersale“ gibt – wird auch der letzte Kritiker verstummen. Vor allem würde mich interessieren, ob die Resonanz auf die Xbox insgesamt besser ausgefallen wäre, wenn bereits jetzt exklusive Titel angekündigt worden wären und nicht erst auf der E3. Ich gehe sogar soweit, dass die mögliche Online Freischaltungsgebühr und die daraus resultierende schlechtere Wiederverkaufsmöglichkeit besser akzeptiert würden, wenn das Gefühl des „Das muss ich unbedingt haben und spielen“ vorhanden gewesen wäre. In Sachen Kinect muss zugegeben aufpassen wie viel wirklich getrackt, aufgenommen, übermittelt und ausgewertet wird. Jedoch würde mich personalisierte Werbung nicht stören, besser als Werbung für Scheidenpilzcreme oder schlechtes Bier. Solange man Plattformen wie Google, Facebook, Amazon oder Twitter nutzt, darf man sich über solches Datensammeln nicht ärgern. Zudem hat beinahe jeder den größten Datensammler, sein Smartphone, in der Hosentasche. Always On.
Persönlich finde ich es auch schade, dass Microsofts Ambitionen in den Serien- und Filmbereich einzusteigen so schlecht aufgenommen werden. Ja, Steven Spielberg hat Indiana Jones 4 versaut, aber dem Projekt Halo-Serie von Anfang an keine Chance geben beziehungsweise zu belächeln. Schwach. Ich finde es spannend ob die Investitionen in Studios und Plattformen irgendwann zu einem XBox Live „Arcade“ für Filme und Serien führt. Aber stimmt, das hat ja auch wieder nichts mit Spielen zu tun. Genauso wenig, die vielen neuen Funktionen und Features. Deren Qualität hängt aber von den Drittherstellern und Anbietern ab, für eine Komplettlösung, die sich einige wohl von Microsoft gewünscht hätten, müssten diese neben Hardware, Betriebssystem, Shop und Cloudservice auch noch Medien- und Streamingdienstanbieter werden.
Zu guter Letzt kann selbst ich eine Sache nicht für gut heißen und das ist die fehlende Abwärtskompatibilität, vor allem in Bezug auf die bereits gekauften 360-Controller.
Solange man sich aber noch ausführlich über „Xbox Go Home“ als Sprachbefehl oder einen digitalen Hund amüsieren kann, denke ich, geht es der Spielszene gut. Ansonsten: Please hater, go home.
(Quelle: ohkrapp)








